Gute Medizin muss Frauen sehen: Zukunftsforum 2026 setzt Impulse für Forschung und Versorgung
Starke Frauen – Starkes Land! Beim bereits zehnten Zukunftsforum des Frauenreferats des Landes Oberösterreich kamen im Oberbank Donau Forum in Linz Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Medizin und Praxis zusammen. Im Mittelpunkt standen aktuelle Erkenntnisse und konkrete Handlungsfelder für die Frauengesundheit in Oberösterreich.
Unter dem heurigen Motto „Frauen gestalten Zukunft – Gute Medizin muss Frauen sehen. In Daten, Diagnosen, Therapie und Prävention“ beleuchteten sechs Workshops und eine Abendveranstaltung, wie Frauengesundheit in Forschung, Diagnose, Therapie und Prävention stärker berücksichtigt werden kann. Das Zukunftsforum ist Teil der Frauenstrategie „Frauen.Leben 2030“ und findet auf Initiative von LH-Stv.in und Frauenlandesrätin Mag.a Christine Haberlander statt.
„Moderne Medizin muss den Menschen in seiner Gesamtheit sehen und auf seine individuellen Bedürfnisse eingehen. Dazu gehört auch, die Unterschiede zwischen Frauen und Männern stärker zu berücksichtigen. Denn Frauen haben in vielen Bereichen andere gesundheitliche Risiken, zeigen andere Symptome und reagieren teilweise anders auf Behandlungen. Dieses Wissen muss noch stärker in der medizinischen Praxis ankommen. Mit dem Zukunftsforum schaffen wir Raum für den Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis und setzen wichtige Impulse, damit Frauen jene medizinische Versorgung erhalten, die ihren Bedürfnissen gerecht wird“, betont Landeshauptmann-Stellvertreterin Gesundheits- und Frauenlandesrätin Christine Haberlander.
Workshops: konkrete Handlungsfelder für Oberösterreich
Am Nachmittag arbeiteten Teilnehmerinnen und Teilnehmer in sechs parallelen Workshops zu unterschiedlichen Bereichen der Frauengesundheit. Die Themen reichten von Gendermedizin in Ausbildung und Fortbildung über Prävention und betriebliche Gesundheitsvorsorge bis hin zu Körperbildern sowie dem Schutz von Mädchen und Frauen vor Sexismus und Gewalt. Ein eigener Workshop an der JKU und der IT Linz richtete sich an die Teilnehmerinnen des HTL-Mentoring-Programms.
In World Cafés wurden Erfahrungen ausgetauscht, Perspektiven zusammengeführt und zentrale Handlungsfelder für Oberösterreich erarbeitet. Die Ergebnisse fließen in den Gleichstellungsbericht im Rahmen der Frauenstrategie „Frauen.Leben 2030“ ein.
Gendermedizin zwischen Forschung und Versorgung
Am Abend richtete sich der Blick im Oberbank Donau Forum auf aktuelle Erkenntnisse der Gendermedizin und ihre Bedeutung für Forschung und Gesundheitsversorgung.
„Gesundheit ist die Voraussetzung dafür, dass Menschen langfristig gerne, gut und vor allem auch leistungsfähig arbeiten können. Als Arbeitgeberin tragen wir Verantwortung dafür, die entsprechenden Rahmenbedingungen zu schaffen“, sagte Mag.a Romana Thiem, EMBA, Vorstandsdirektorin der Oberbank AG, in ihren Begrüßungsworten.
Im Anschluss an die Eröffnung durch LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander zeigten zwei international anerkannte Expertinnen auf, wo die Medizin Frauen noch nicht ausreichend berücksichtigt und was sich ändern muss. Prof.in Dr.in med. Dr.in h.c. Vera Regitz-Zagrosek, Pionierin der Gendermedizin und Seniorprofessorin an der Charité – Universitätsmedizin Berlin, machte in ihrer Keynote „Die Medizin von morgen“ deutlich, wie entscheidend geschlechterspezifische Daten für medizinische Forschung und Versorgung sind.
Denn nur wenn Unterschiede systematisch erfasst und ausgewertet werden, können Diagnosen präziser gestellt und Therapien gezielter entwickelt werden.
„Wir müssen Frauen und Männer bei ihren Erkrankungen spezifisch betrachten. Denn geschlechtsspezifische Unterschiede spielen nicht nur bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, sondern beispielsweise auch in der Krebstherapie eine wichtige Rolle. Von geschlechtersensiblen Ansätzen profitieren beide Geschlechter“, so Regitz-Zagrosek.
Univ.-Prof.in Dr.in Alexandra Kautzky-Willer von der Medizinischen Universität Wien richtete den Blick auf die konkrete Versorgung. Sie zeigte, wie biologische Unterschiede, hormonelle Einflüsse und verschiedene Lebensphasen Gesundheit, Krankheitsverläufe und Therapien beeinflussen und warum dieses Wissen stärker in Prävention, Diagnose und Behandlung einfließen muss.
„Präzisionsmedizin für Frauen muss immer auch die Sexualhormone und die unterschiedlichen Lebensphasen berücksichtigen. Von der Pubertät über Schwangerschaft und Stillzeit bis zur Menopause verändert sich der weibliche Körper – und damit auch das Risiko für bestimmte Erkrankungen“, sagt Kautzky-Willer. Dass fehlende Sichtbarkeit von Frauen in der Medizin nicht nur eine wissenschaftliche, sondern auch eine gesellschaftliche Dimension hat, griff DAS SCHAUWERK mit der Darbietung „Die unsichtbare Patientin – mitgemeint ist nicht mitgedacht“ künstlerisch auf.
Panel und Gespräch: Von der Erkenntnis zur Wirkung
Im Anschluss stand die Frage im Mittelpunkt, wie geschlechtersensible Medizin nachhaltig in Ausbildung, Strukturen und Gesundheitsversorgung verankert werden kann. LH-Stv.in Haberlander diskutierte dazu mit Univ.-Prof. Dr. Meinhard Lukas, Geschäftsführer des Kepler Universitätsklinikums, Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Frimmel, PhD, von der Abteilung für Versorgungsforschung und Gendermedizin der Johannes Kepler Universität Linz, sowie Mag.a Christina Rinnhofer, Leitung Kollegium und Leitung Qualität & Lehre an der FH Gesundheitsberufe OÖ.
„Wir müssen uns anschauen, welche Maßnahmen in der Prävention mit überschaubarem Mitteleinsatz eine große Wirkung erzielen können. Das ist ein klarer Auftrag an die Universitätsmedizin und die Regionalkliniken, hier noch besser zu werden“, sagt Lukas. Weitere Perspektiven aus Forschung und medizinischer Praxis brachten Priv.-Doz.in Mag.a Dr.in Anna Maria Dieplinger, Dr.in Miriam Mottl und Mag.a Maria Pernegger ein. Das Linzer Start-up Diamens zeigte zudem am Beispiel Endometriose, wie innovative Ansätze dazu beitragen können, bestehende Versorgungslücken zu adressieren.
Zum Abschluss wurden die zentralen Erkenntnisse aus den Workshops präsentiert und zu konkreten Vorschlägen für die weitere Arbeit verdichtet.
Die Zukunft der Frauengesundheit in Oberösterreich
Die Erkenntnisse und Handlungsfelder des Zukunftsforums fließen in die weitere Umsetzung der Frauenstrategie „Frauen.Leben 2030“ ein. Ziel ist es, geschlechtersensible Perspektiven stärker in Forschung, Ausbildung, Prävention und Gesundheitsversorgung zu verankern und damit die gesundheitliche Versorgung von Frauen nachhaltig weiterzuentwickeln.
„Unser Anspruch in Oberösterreich ist klar: Jede Frau soll sich darauf verlassen können, die bestmögliche medizinische Versorgung zu erhalten. Dafür müssen wir die Erkenntnisse aus der Forschung noch stärker mit der täglichen Praxis verbinden. Das Zukunftsforum hat gezeigt, wie viel Wissen, Erfahrung und Engagement in diesem Bereich vorhanden sind. Jetzt geht es darum, diese Erkenntnisse aufzugreifen und konkrete Verbesserungen daraus abzuleiten. Denn Frauengesundheit ist kein Randthema, sondern ein wesentlicher Bestandteil einer modernen und qualitativ hochwertigen Gesundheitsversorgung“, so Haberlander abschließend.
Fotos: Land OÖ, Verwendung mit Quellenangabe









