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Ersten zwei roboterassistierten Bypass-Operationen am KUK

Kepler Universitätsklinikum stößt Tür in die Zukunft der maximal schonenden Herzchirurgie weit auf

In der letzten Woche hat ein Team unter der Leitung des Herzchirurgen Prof. Andreas Zierer am KUK die ersten beiden Bypassoperationen mit Hilfe eines chirurgischen Roboters am schlagenden Herzen durchgeführt. Die zwei Patienten (84 Jahre und 54 Jahre) konnten am ersten postoperativen Tag bereits auf die Normalstation verlegt werden. Damit ist der Auftakt in ein neues Zeitalter der Schlüsselloch-Herzchirurgie am KUK bestens gelungen. Das erklärte Ziel des Universitätsklinikums ist die Etablierung des interdisziplinären und interprofessionellen ERAS-Konzepts am Herzzentrum des KUK. ERAS steht für eine möglichst rasche Genesung der Patientinnen und Patienten nach chirurgischen Eingriffen („Enhanced Recovery after Surgery“).

Der Vorstand der Universitätsklink für Herz- Gefäß und Thoraxchirurgie Univ.-Prof. Dr. Andreas Zierer hat in den letzten Jahren das standortübergreifende Referenzzentrum für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie (in Linz und Wels) aufgebaut und zu einem der österreichweit führenden Zentren für totalendoskopische Herzklappenchirurgie ausgebaut. Dabei wird die Operation vollständig als minimalinvasiver Schlüsselloch-Eingriff durchgeführt.

Roboterassistierte Bypass-Operation im Zentral OP der KUK am 26.7.2026

Aufbauend auf der langjährigen Expertise bei Schlüsselloch-Eingriffen hat Prof. Zierer gemeinsam mit einem interdisziplinären und interprofessionellen Team (Herzchirurgie, Anästhesie, Kardiotechnik, OP-Pflege und Anästhesiepflege) am Mittwoch letzter Woche (26. Juli 2026) am KUK ein neues Kapitel in der Schlüsselloch-Herzchirurgie aufgeschlagen. Er hat im Zentral-OP des KUK die ersten beiden robotergestützten Bypass-Operationen am schlagenden Herzen der Patienten (also ohne Herz-Lungenmaschine) durchgeführt. Unterstützt wurde er dabei vom europäischen Pionier der robotergestützten Herzchirurgie Štěpán Černý, MD, PHD. Er ist Chefarzt der Herzchirurgie am Universitätsklinikum Motol in Prag, das mit der Karls-Universität assoziiert ist. Das Team rund um Prof. Zierer hat sich etwa ein Jahr auf diesen Tag vorbereitet.

Die Operation wurde bei einem 84-jährigen Patienten (verwitweter Malermeister im Ruhestand mit 3 Kindern, 6 Enkelkindern und 2 Urenkelkindern, der weiterhin in der familiären Frühstückspension mitarbeiten will) und einem 54-jährigen Patienten (deutscher Staatsbürger, der seit vielen Jahren Arbeiter in einem großen Linzer Stahlbetrieb ist) durchgeführt. Beide Patienten konnten bereits am ersten postoperativen Tag auf die Normalstation verlegt werden. Der jüngere Patient ist annähernd beschwerdefrei und bereits wieder mobil. Der ältere Patient hat auch keine Schmerzen mehr und wir ebenfalls bereits mobilisiert.

Vorzüge der roboterassistierten Herzchirurgie

Die roboterassistierte Herzchirurgie (meist durchgeführt mit dem DaVinci-System) bietet im Vergleich zur klassischen offenen Herzoperation (über eine Durchtrennung des Brustbeins = Sternotomie) massive Vorteile für Patientinnen und Patienten. Der Roboter operiert dabei nicht eigenständig, sondern übersetzt die Handbewegungen des Chirurgen/der Chirurgin an einer Konsole präzise und ohne jedes menschliche Zittern auf winzige Instrumente im Inneren des Brustkorbs. Da der Brustkorb geschlossen bleibt (oder nur ein minimaler Zwischenrippenraum genutzt wird) entfällt die monatelange Knochenheilung des Brustbeins. Zudem ist der Blutverlust erheblich geringer durch die extreme Präzision und die kleinen Zugänge. Wesentlich ist aber vor allem das deutlich geringere Infektionsrisiko: Große Wundflächen am Knochen (bei der Brustkorböffnung) neigen eher zu Infektionen. Die winzigen Port-Einstiche heilen viel schneller und sicherer ab. Signifikant kürzere Krankenhaus- und Intensivzeiten sind die Folge.

Der große Vorteil der robotergestützten Bypassoperation, die auf dem aktuellen System bisher in Österreich nur sehr vereinzelt durchgeführt wurde, besteht selbst gegenüber einem endoskopischen Eingriff darin, dass die Kraftentwicklung an der Eintrittsstelle der Instrumente in die Brustwand durch den Roboter so gesteuert wird, dass das umliegende Gewebe (vor allem die Nerven) maximal geschont werden. Die Schnitte können noch kleiner gehalten werden. Dies bedeutet noch geringere postoperative Schmerzen und eine noch schnellere Mobilisation der Patientinnen und Patienten.

„In Europa stehen wir aktuell an der Schwelle zu einer Revolution in der Herzchirurgie. Mit den neuen Robotersystemen, deren Zulassung in Europa kurz bevorsteht, wird es möglich sein bis zur Hälfte der herzchirurgischen Eingriffe maximal schonend durchzuführen. Für unsere Patientinnen und Patienten bedeutet das geringstmögliche postoperative Schmerzen und kürzeste Erholungsphasen nach der Operation. Die stationäre Aufenthaltsdauer kann somit bis auf die Hälfte reduziert werden“, betont Prof. Zierer.

Auch LH-Stv.in Mag.a Christine Haberlander ist von der Leistung der KUK-Herzchirurgie begeistert: „Medizinischer Fortschritt zeigt seinen größten Wert dann, wenn er den Menschen unmittelbar zugutekommt. Mit den ersten roboterassistierten Bypass-Operationen am Kepler Universitätsklinikum gelingt ein bedeutender Schritt hin zu einer noch schonenderen Herzchirurgie. Das bedeutet für die Patientinnen und Patienten kürzere Erholungszeiten, weniger Belastung durch den Eingriff und eine raschere Rückkehr in den Alltag. Gleichzeitig unterstreicht dieser Meilenstein eindrucksvoll die hohe Kompetenz unserer Ärztinnen und Ärzte sowie aller Beteiligten, die Tag für Tag Spitzenmedizin in Oberösterreich möglich machen. Mein herzlicher Dank gilt dem gesamten Team, das diesen Erfolg mit großem Engagement, umfassender Expertise und intensiver Vorbereitung ermöglicht hat. Meine Überzeugung ist es, dass derartige Innovationen in unserem öffentlichen Gesundheitssystem entwickelt und erfolgreich umgesetzt werden. Das stärkt den Gesundheitsstandort Oberösterreich nachhaltig und gibt die Sicherheit, auch künftig auf medizinische Versorgung auf gewohnt höchstem Niveau vertrauen zu können.“

Implementierung des ERAS-Konzepts in der Linzer Herzchirurgie

Aufgrund des uneingeschränkt gelungenen Auftakts der Universitätsklink für Herz-, Gefäß- und Thoraxchirurgie am KUK in die roboterassistierte Herzchirurgie ist nicht nur deren Intensivierung, sondern vor allem die Implementierung des ERAS-Konzepts geplant. Dieses zunächst für Operationen am Magen-Darm-Trakt und auch für die Leberchirurgie etablierte Konzept („Enhanced Recovery After Surgery“) zielt darauf ab, die körperliche Belastung und Stressreaktion durch eine Operation so gering wie möglich zu halten, den Heilungsprozess zu beschleunigen und die Selbstständigkeit der Patientinnen und Patienten schnellstmöglich wiederherzustellen. Wie Erfahrungen des Universitätsklinikums Hamburg Eppendorf zeigen, ist ERAS gerade für die Herzchirurgie prädestiniert, weil es bei einem klassischen herzchirurgischen Eingriff (Öffnung des Brustkorbs) zum größten operativen Trauma aller chirurgischen Disziplinen kommt.

Das geplante ERAS-Konzept basiert auf drei Phasen, die eng mit minimal-invasiven (endoskopischen und im KUK zunehmend roboterassistierten) Operationstechniken verzahnt sind:

  • Prähabilitation (vor der OP): Patientinnen und Patienten werden frühzeitig durch spezialisierte Pflegekräfte („ERAS Nurse“) geschult. Die Vorbereitung beinhaltet gezieltes Atemtraining, Ernährungsoptimierung und die mentale Vorbereitung auf den Eingriff, um Ängste abzubauen.
  • Intraoperativ (während der OP): Es werden ultrakurz wirksame Narkosemittel und spezielle Schmerzkatheter verwendet. Das Ziel ist eine „Fast-Track“-Anästhesie, bei welcher der Patient/die Patientin noch im Operationssaal oder unmittelbar danach aufwacht und die künstliche Beatmung extrem schnell beendet werden kann.
  • Postoperativ (nach der OP): Ziel ist eine Frühmobilisation (wenige Stunden nach der OP sitzen Patienten an der Bettkante, am ersten Tag erfolgt meist das Aufstehen; schnelle orale Ernährung ohne langes Fasten)

Das ERAS-Konzept soll am Herzzentrum des KUK etabliert werden – in einer engen interdisziplinären Kooperation von Kardiologie, Herzchirurgie und Anästhesie. Zudem braucht es auch eine enge interprofessionelle Zusammenarbeit von Ärzteschaft, Pflege, Physiotherapie und Diätologie. Das KUK kann dabei auf den bestehenden ERAS-Erfahrungen sowie der robotischen Expertise des Bereichs der Thoraxchirurgie an der Universitätsklinik für Herz-, Gefäß und Thoraxchirurgie (Bereichsleitung Univ.-Doz. Dr. Florian Tomaselli, MIM) und des Leber Zentrums (Zentrumsleitung Priv.-Doz. Dr. Stefan Stättner) aufbauen.

„Die geplante Implementierung des ERAS Konzepts am Herzzentrum des KUK ist ein erster ganz großer Schritt auf dem Weg, die Prozesse im gesamten Uniklinikum zum Wohle der Patientinnen und Patienten visionär zu optimieren. Damit werden vorausschauend unnötige diagnostische und therapeutische Schritte vermieden. Das fördert und beschleunigt zugleich die Genesung der Patientinnen und Patienten und macht unser System auch effizienter“, sagt KUK-Geschäftsführer Prof. Meinhard Lukas.

Fotos: Land OÖ, Verwendung mit Quellenangabe

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