Starke Frauen. Starkes Land“ –  Zwischenbericht zur Frauenstrategie Frauen. Leben 2030 zeigt: Es wurde schon viel erreicht, es ist noch einiges zu tun

Anlässlich des Internationalen Frauentages präsentiert Landeshauptmann-Stellvertreterin und Frauenlandesrätin Mag.a Christine Haberlander einen Zwischenbericht mit Zahlen, Daten und Fakten zur Gleichstellung der Abteilung Trends und Innovation, Abteilung Statistik in Zusammenarbeit mit dem Frauenreferat des Landes OÖ. Darin wird deutlich: Oberösterreich verzeichnet in vielen Bereichen gute Fortschritte, es gibt auf dem Weg zu tatsächlicher Gleichstellung aber ressortübergreifend noch einiges zu tun.

„Ein Land der Möglichkeiten muss ein Land der Chancengleichheit sein. Frauenpolitik betrifft alle Lebensbereiche und ist daher ein gemeinsamer Auftrag aller Ressorts. Mit der Strategie „Frauen.Leben 2030“ hat sich die Oö. Landesregierung vor acht Jahren klar dazu bekannt, Gleichstellung ressortübergreifend in Regierung und Verwaltung zu verankern. Jede Maßnahme für Frauen in Oberösterreich ist ein konkreter Schritt hin zu echter Chancengleichheit. Wir sehen Fortschritte, aber auch Bereiche, in denen wir konsequent weiterarbeiten müssen. Der aktuelle Zwischenbericht zeigt transparent, wo wir stehen – und dass noch viel zu tun ist“, betont Frauenlandesrätin und Landeshauptmann-Stellvertreterin Mag.a Christine Haberlander.

Oberösterreich verzeichnet in verschiedenen Bereichen deutliche Fortschritte wie beispielsweise beim offensiven Ausbau der Kinderbetreuung, bei mehr Mädchen in technischen Ausbildungswegen, bei wachsenden Anteilen von Frauen in politischen Funktionen, bei der gezielten Förderung von Frauen in gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Führungspositionen sowie beim konsequenten Ausbau des Gewaltschutzes.

Gleichstellung als ressortübergreifender Auftrag

Mit der Strategie „Frauen.Leben 2030“ wurde Gleichstellung in Oberösterreich als Querschnittsmaterie verankert. Sie betrifft beispielsweise Wirtschaft, Arbeitsmarkt, Bildung, Soziales, Integration, Gesundheit, Jugend, Land und Forstwirtschaft, Digitalisierung, Wohnbau und Verkehr bzw. Mobilität gleichermaßen.

Alle Ressorts tragen Verantwortung für konkrete Maßnahmen, Fortschritte werden jährlich im Zwischenbericht und alle drei Jahre im Gleichstellungsbericht transparent dargestellt.

Der Zwischenbericht zur Frauenstrategie umfasst zwei zentrale Bestandteile: den statistischen Bericht zur Lebensrealität von Frauen in Oberösterreich sowie eine ressortübergreifende Best-Practice-Datenbank.

Während der statistische Bericht beispielsweise Entwicklungen bei Einkommen, Pensionen, Bildung, Erwerbsbeteiligung, politischer Repräsentanz, Frauen in Führungsfunktionen, bei der Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Pflege sowie Gewaltschutz faktenbasiert aufzeigt, dokumentiert die Best-Practice-Datenbank konkrete Maßnahmen und Projekte zur Gleichstellung.

Für die Erstellung der Datenbank wurde eine umfassende Erhebung vom Frauenreferat in allen Ressorts der Oö. Landesregierung, bei Sozialpartnern und Gemeinden durchgeführt. Erfasst wurden bereits umgesetzte Maßnahmen, laufende Projekte sowie geplante Initiativen. Damit wird sichtbar, dass Gleichstellung in Oberösterreich strukturell verankert ist und kontinuierlich weiterentwickelt wird.

„Mit dem Zwischenbericht verbinden wir Zahlen und konkrete Umsetzung. Wir zeigen nicht nur, wo wir stehen – wir zeigen auch, was wir tun. Die Best-Practice-Datenbank macht sichtbar, wie Gleichstellung in allen Ressorts gelebt wird“, so Frauenlandesrätin Christine Haberlander.

Der statistische Bericht und die Best-Practice-Datenbank sind öffentlich zugänglich unter:

www.frauenreferat-ooe.at/frauenstrategie.htm

Deutliche Fortschritte in zentralen Bereichen in Oberösterreich lt. des statistischen Berichtes

Einkommen und wirtschaftliche Eigenständigkeit

Gender Pay Gap bei Vollzeitbeschäftigten: 16,3 Prozent (deutlicher Rückgang seit 2017)

Gender Pension Gap: 39,7 Prozent

Leuchtturmprojekte:

Informationsinitiative „Frauen und Geld“ und zu Einkommens- und Pensionsfolgen von zu langer Teilzeit, Unterstützung von Frauen 50plus, Unternehmerinnen und Gründerinnen, ……

Technik, Führung und politische Mitbestimmung

11 Prozent weibliche Lehrlinge in technischen Berufen

25,9 Prozent der Schülerinnen in technischen Schulen und 25,1 Prozent in technischen Studienrichtungen

37,5 Prozent Frauen im Oö. Landtag

11,5 Prozent Bürgermeisterinnen

rund 30 Prozent Frauenanteil in Aufsichtsräten landesnaher Organisationen

Rund 48 Prozent der Einzelunternehmen werden von Frauen geführt

Mehr als 50 Prozent der Neugründungen erfolgen durch Frauen

Leuchtturmprojekte:

Girls’ Day, FIT – Frauen in die Technik, Mentoring für HTL-Schülerinnen, #BeWirkwerkstatt Frauen 2030 zur Stärkung von Frauen in gesellschaftlichen Führungspositionen Mentoring-Programme für Frauen in der Wirtschaft, Kompetenzzentrum KOMPASS – Karenz und Karriere ……

Kinderbetreuung als Standort- und Gleichstellungspolitik

Kinderbetreuung ist der Schlüssel für echte Wahlfreiheit und wirtschaftliche Unabhängigkeit

Die Betreuungsquote der unter 3-Jährigen, welche in institutionellen Kinderbetreuungseinrichtungen betreut werden, hat sich seit 2014/2015 in nahezu verdoppelt (13,6 → 24,9 Prozent)

86,9 Prozent der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren sind erwerbstätig oder arbeitssuchend

Ausbau ganztägiger Betreuungsangebote

Längere Öffnungszeiten in Kinderbetreuungseinrichtungen

Gleichstellung in Unternehmen ist ein Wettbewerbsvorteil

Die aktuelle Weltfrauentagsstudie von Deloitte 2026 zeigt, dass Gleichstellung in österreichischen Unternehmen zuletzt wieder an Priorität verloren hat. Fast jede zweite Frau (49 %) berichtet von Benachteiligung im Berufsleben, vielfach sind Aufstiegschancen noch immer an Vollzeitbeschäftigung geknüpft. Gleichzeitig setzt ein Teil der Unternehmen angesichts wirtschaftlicher Herausforderungen andere Schwerpunkte, rund ein Viertel verfolgt keine klaren Gleichstellungsziele.

„Gerade das darf jedoch nicht passieren: Gleichstellung und Diversität sind kein Zusatzthema, sondern ein entscheidender Erfolgsfaktor. Unternehmen, die auf Chancengleichheit setzen, stärken ihre Innovationskraft, ihre Attraktivität als Arbeitgeber und ihre langfristige Wettbewerbsfähigkeit. Wer heute konsequent auf Vielfalt baut, investiert nachhaltig in die Zukunft“, hebt Christine Haberlander hervor.

Gewaltschutz: Konsequent ausgebaut

2.423 Betretungsverbote im Jahr 2025

2.054 strafrechtlich relevante Delikte gegen Frauen

306 von Stalking betroffene Personen

6 bestehende Frauenhäuser

2 neue Frauenhäuser in Bau (Salzkammergut, Mühlviertel)

Der Start für den Bau des Frauenhauses „Inneres Salzkammergut“ erfolgte im Sommer 2025. Die Fertigstellung ist bis Ende 2026 vorgesehen.

Beim Frauenhaus „Unteres Mühlviertel“ fand der Spatenstich Ende Jänner 2026 statt. Die Fertigstellung ist für Anfang 2027 vorgesehen.

Insgesamt gibt es in den Frauenhäusern in Oberösterreich künftig 163 Schutzplätze (59 Frauenplätze und 104 Kinderplätze)

Insgesamt stehen 20 Frauenübergangswohnungen mit 80 Schutzplätzen zur Verfügung (27 Plätze für Frauen und 53 Plätze für Kinder). Die Zahl der Plätze in den Frauenübergangswohnungen wurde in den vergangenen Jahren mehr als verdoppelt. 15 dieser Wohnungen werden von Frauenberatungsstellen betrieben, 5 von Frauenhäusern.

23 Frauenberatungsstellen mit ca. 31.500 Beratungen jährlich

Online-Frauenberatung OÖ

Präventionskampagne „NO GO – Schau nicht weg“

(Quelle Gewaltschutzzentrum OÖ)

Die nächsten Schritte:

Verpflichtendes Pensionssplitting:

„Der Gender Pension Gap von 39,7 Prozent zeigt, dass Betreuungsarbeit noch immer langfristige finanzielle Auswirkungen hat. Das freiwillige Pensionssplitting wird nur in sehr geringem Ausmaß genutzt. In Oberösterreich nutzten von 2010 bis 2025 insgesamt 2007 Personen diese Möglichkeit. Das ist die zweitmeiste Inanspruchnahme in Österreich. Deshalb reicht Freiwilligkeit nicht aus. Wer Kinder betreut, darf im Alter nicht benachteiligt sein. Ich fordere daher klar ein verpflichtendes Pensionssplitting von der Bundesregierung ein“, so Christine Haberlander.

Ein verpflichtendes Modell würde Pensionsansprüche partnerschaftlich aufteilen, Betreuung als gesellschaftliche Leistung anerkennen, strukturelle Nachteile ausgleichen und eine weitere Maßnahme sein, um Altersarmut vorzubeugen.

Dauerhafte Absicherung des Gewaltschutzes durch Weiterführung der 15a-B-VG Vereinbarung über Schutzunterkünfte und Begleitmaßnahmen für von Gewalt betroffene Frauen und Kinder:

Der Ausbau der Schutzunterkünfte ist ein Meilenstein – braucht aber langfristige Stabilität.

Die Weiterführung der 15a-Vereinbarung zwischen Bund und Ländern ist notwendig, um flächendeckend Schutzplätze zu sichern, den weiteren Ausbau regionaler Angebote zu ermöglichen und Präventions- und Bewusstseinsarbeit zu stärken.

Beratungsangebote und Netzwerke

Die regionalen Beratungsstellen und Vereine wie beispielsweise die 23 Frauenberatungsstellen in Oberösterreich, das Gewaltschutzzentrum Oö, die Beratungsstelle für sexualisierte Gewalt u.v.m. stehen Mädchen und Frauen in allen Lebenslagen mit Rat und Tat zur Seite.

Die Oö. Online-Frauenberatung wird sehr gut genutzt. Sie bietet Frauen und Mädchen ab 14 Jahren – ebenso Angehörigen und Freundinnen – kostenlose und anonyme Beratung an. Ein Team aus psychosozialen Beraterinnen und Juristinnen steht digital zur Verfügung. Zahlreiche Frauenberatungsstellen in Oberösterreich vernetzen sich auf www.frauenberatung-ooe.at und schaffen einen zentralen One-Stop-Shop für verschiedenste Anliegen – von Selbststärkung, Berufs- und Schwangerschaftsberatung über rechtliche und finanzielle Fragen bis hin zu Unterstützung für gewaltbetroffene Frauen.

Frauen, die Hilfe benötigen, können sich jederzeit an folgende kostenlose Notruf- und Beratungsstellen wenden (rund um die Uhr erreichbar):

  •           Polizei: 133
  •           Polizei-SMS für Gehörlose & Hörbehinderte: 0800 133 133
  •           Rettung: 144
  •           Euro-Notruf: 112
  •           Frauenhelpline gegen Gewalt: 0800 222 555
  •           Krisenhilfe Oberösterreich: 0732 2177
  •           Telefon Seelsorge: 142
  •           Rat auf Draht: 147
  •           Gewaltschutzzentrum OÖ: +43 732 60 77 60
  •           Autonomes Frauenzentrum:  0732 60 22 00
  •           Weisser Ring: 050 50 16
  •           Kinder- und Jugendhilfe: 0732 779777
  •           Online Frauenberatung OÖ: www.frauenberatung-ooe.at

Weitere Informationen und Beratungsangebote sind über das Frauenreferat des Landes Oberösterreich sowie über spezialisierte Beratungsstellen online abrufbar.

Fotos: Land OÖ, Verwendung mit Quellenangabe